
Keine Frage, die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Die Tage werden deutlich kürzer und einige Nachbarn haben schon Lichterketten und Lampen für den Garten herausgeholt. Nicht, weil ihnen schon ganz weihnachtlich zumute wäre, sondern weil ein bisschen mehr Licht Herbst und Winter aufhellen. Das war mir auch schon im vergangenen Januar aufgefallen, dass in vielen Vorgärten noch Lichterketten am Zaun oder an Bäumen hingen. Erst habe ich mich ein bisschen lustig gemacht, aber nach ein paar Tagen habe ich es kapiert: Licht ist einfach wichtig und tut gut, zumal, wenn es keine Straßenlaternen gibt.

In einer Großstadt kommt immer von irgendwoher Licht. Es ist nie wirklich stockfinster. Straßenlaternen, Geschäfte, Licht aus den vielen Mehrfamilienhäusern, Autoverkehr, Ampeln – haufenweise Lichtquellen. Hier auf der Insel und auf dem Land ist das anders. Klar, in Visby gibt es natürlich Straßenbeleuchtung und Läden, Tankstellen und andere Gebäude bringen zusätzliches Licht. Sobald du aber rausfährst aus der Stadt, ist es finster. Du fährst über Land, durch kleine Wäldchen, und denkst, du bewegst dich durch völlige Einsamkeit, würde nicht hin und wieder ein Haus irgendwo auftauchen, in dem Lichter brennen.
Ich mag das. Die dunkle Jahreszeit. Alles ist ruhiger, friedlicher irgendwie, und in den Häusern sieht es durch die erleuchteten Fenster gemütlich aus. Ich schaue gerne beim Vorbeifahren in die Fenster der Leute. Ein winziger Blick in ein fremdes Leben.
Die Vorbereitung auf den Winter hat sich Anfang November auch auf andere Weise bemerkbar gemacht: Die Schneestangen an den Straßenrändern wurden in die Erde gesteckt. Im vergangenen Winter lag zum Teil so viel und hoch Schnee, dass sie wirklich nötig waren, um zu erkennen, wo überhaupt sie Straße verläuft. Als sie nun gesteckt wurden, sorgte ihr Anblick immerhin für ein mehr bisschen Winterfeeling angesichts des eher grauen Wetters. Die Temperaturen waren da noch weit von Schneeträumen entfernt. Stattdessen war es eher eine altbekannte matschig-graue Tristesse, wie ich sie auch aus Norddeutschland kenne. Also nix Neues – aber selbstverständlich eine viel schönere Novembertristesse als irgendwo sonst, schließlich ist es gotländische Tristesse, logo.

Doch dann, zack, kam der erste Schnee. Am 21. November. Letztes Jahr fiel der erste Schnee am 22. November. Vielleicht sollte ich mir dieses ungefähre Datum als Schneestart in den Kalender schreiben. Es war dann zwar kein Winterzauber, sondern eher Puder, der sich zügig zu einer nassen Matsche entwickelte, die da vom Himmel plumpste, aber ich will mal nicht wählerisch sein. Zusätzlich gab es Sturmwarnungen und es wurden Fährverbindungen zum Festland eingestellt. Das passiert häufiger, wenn es Sturm gibt.






Willkommen im Aquarium
Durch die Arbeit der Tischler sah das Atelier Anfang des Monats aus wie ein Aquarium. Oder OP-Saal, je nachdem wohin man die eigene Assoziation galoppieren lassen wollte.
Aber das war alles besser als die stinkenden Wände zuvor. Denn im Atelierhaus hat früher eine Frau gewohnt, die stark rauchte. Entsprechend steckte der Nikotingeruch in allen Wänden und die einzige Lösung war, alles rauszunehmen und zu ersetzen.













Zwischendrin gab es noch die Überraschung diverser Ameisenvölker auf der Zwischendecke und hinter Wänden, aber das ließ sich lösen und gehört jetzt hoffentlich alles der Vergangenheit. Nächste Schritte: Farbe and die Wände und der Elektriker durfte sich austoben. Was zuerst nur ein einfacher Einbau von Steckdosen und ein paar Schaltern werden sollte, wuchs sich schließlich zu einem komplizierten Entwirren und Neuinstallieren aus. Die Vorbesitzer hatten vermutlich alles selbst gemacht und nicht unbedingt richtig. Nicht umsonst hatte von Anfang an auf einem der Lichtschalter „Rör ej“, „Nicht anfassen“, gestanden. Oops.

Was sonst noch los war:
- Die Weihnachtsmärkte und Weihnachtsausstellungen gehen los und so gab es einen Markt direkt um die Ecke im Folkets Hus. Geschnitztes, Gestricktes, sehr kuschelige Schaffelle, leckere Säfte und Marmeladen aus Sanddorn und natürlich leckerer Kuchen und Weihnachtskekse. Sehr niedlich, mit liebe gemacht von all jenen, die hier im Umkreis wohnen.
- Ich war mit auf einer Trüffeljagt. Ja, es gibt Trüffel auf Gotland und von Mitte Oktober bis Mitte November läuft hier der Trüffelmonat, so dass in dieser Zeit verschiedene Veranstaltungen laufen, Restaurants Menüs mit Trüffel anbieten und man eben auch mit Trüffeljägern und ihren Hunden mit auf die Suche gehen kann. Darüber werde ich noch einmal separat berichten War jedenfalls lustig. Und gefunden haben wir ziemlich viele dieser schwarzen Teilchen.
- Ende des Monats lag eine Broschüre im Briefkasten: „Om krisen eller kriget kommer“. Falls Krise oder Krieg kommen. Eine Broschüre mit allen Infos dazu, wie man sich selbst helfen kann, sollte der Strom tagelang ausfallen, sollte es durch Unwetter zu Problemen kommen, sollte erneut eine Pandemie ausbrechen oder sogar Krieg. Alles sehr unheimliche Szenarien, aber ich finde es dennoch gut, dass alle Einwohner informiert werden. Auch hierüber werde ich noch einmal an anderer Stelle berichten.

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