Rückblick Oktober

Der Oktober war Erntemonat in unserem Garten. Die Äpfel und Birnen lagen bereits zuhauf auf dem Boden, längst bereit, aufgesammelt und verarbeitet zu werden. Ein großartiges Geschenk, denn für ihr Dasein haben wir schließlich nichts getan. Als wir das Haus mit Garten und Grundstück kauften, standen sie bereits dort, vermutlich so alt wie das Haus. Nun profitieren wir von der Ernte.

Eigentlich hatte ich bereits im September einen Termin in der Mosterei vereinbaren wollen, aber dadurch, dass ich noch einmal in Deutschland und mir deswegen unsicher war, wie es danach mit dem Obst aussehen würde, hatte ich es vor mir hergeschoben. Am Ende blieb nur der 5. Oktober übrig. 

50 Kilo mussten es mindestens sein für die Mosterei, damit sie das Obst pressen. Ich war etwas skeptisch, ob ich so viel noch zusammenbekommen würde, denn es waren in den vergangenen Wochen schon massenhaft Äpfel und Birnen heruntergefallen. Nachdem ich dann aber alle Bäume abgepflückt hatte, kam ich auf etwa 50 bis 60 Kilo. Die ergaben bei der Mosterei schließlich 45 Liter Saft. Wow! Abgepackt in 3-Liter-Pakete ist das ein wunderbarer Vorrat für den Winter. Wie spannend es in der Mosterei war, habe ich in einem eigenen Beitrag dazu beschrieben. Du findest ihn hier.

Den Herbst genießen

Die Fahrt zur Mosterei habe ich gleich für einen ganzen Ausflug genutzt. Der Termin fiel auf einen Samstag, so dass ich einfach den ganzen Tag Zeit hatte. Die Mosterei liegt weiter südlich in När. Das ist eine sehr schöne Gegend dort. Vor allem När sieht aus wie das reinste Schwedenklischee. Ein kleines Dörfchen mit einer hübschen Kirche aus hellem Kalkstein umgeben von alten, hohen Ahornbäumen, die Straßen schmal, geschlängelt und ebenfalls von hohen Bäumen gesäumt, die Häuser aus Holz in rot und gelb. Hier und da ein kleiner Hof mit einer windschiefen Scheune – natürlich auch in rot. Und an diesem Tag noch dazu über allem ein knallblauer Himmel und ein Sonnenschein, der alles Laub in den herrlichsten Orange- und Braun- und Rottönen zum leuchten brachte. Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. 

Ein Stückchen weiter liegt Närsholm. Ein Naturschutzgebiet direkt an der Küste, mit Leuchtturm, Leuchtturmwärterhäusschen und einer kleinen Räucherei in der Nähe. In dem Leuchtturmwärterhäuschen kann man in den Sommermonaten übernachten. Es gleicht einer winzigen Jugendherberge. Die Räucherei im Hafen betreibt ein kleines Restaurant, in dem leckerster Fisch serviert wird. Über När und Närsholm werde ich noch einmal ausführlicher in einem eigenen Beitrag berichten.

Von När aus bin ich einfach über Land gefahren, habe mich treiben lassen, den Blick über die Felder, Höfe und Wälder genossen. Dabei kam ich auch bei Pavals Provence vorbei. Pavals Provence ist ein großer Loppis, ein Flohmarkt in einer alten Scheune. Das Besondere an Pavals Provence ist die Zusammenstellung. Wie der Name schon andeutet, werden hier ausschließlich französische Möbel und Accessoires verkauft. Die Frau, die den Loppis betreibt, bringt von ihren Reisen nach Frankreich regelmäßig eine Wagenladung schöner Dinge mit. Auf zwei Etagen sowie vor und hinter der Scheune breiten sich geschwungene Stühle, liebliche Kommoden mit Metallbeschlägen, Tischwäsche und Vasen, uralte Bilderrahmen und Sitzbänke, Geschirr und antike Schmuckstücke aus. Es macht Spaß, zwischen all den schönen Dingen zu stöbern, auch wenn erst zunächst irritiert, ausgerechnet hier auf Gotland französische Möbel zu finden, statt schwedische Antiquitäten. Aber die Schweden teilen die Liebe für den warmen Süden und die mediterrane Lebensart.

Ein weiterer herrlicher Ort, an dem man einfach die Zeit dahinfließen lassen kann, ist der Åla Gård im gleichnamigen Ort Åla. Hier ist es ein Pärchen aus London, das diesen mehr als zweihundert Jahre alten Hof gekauft und mit einem Café, Antiquitäten und einem großen, wundervollen Garten wieder hergerichtet hat. An diesem Tag genieße ich den Blick auf all die schönen Dinge bei einer Lachspastete und einem anschließenden Kaffee.

Ein Tag voller Literatur

Jedes Jahr im Oktober findet in Visby der Bokens Dag statt. Am Bokens Dag dreht sich alles um schwedische Literatur. Acht bekannte Autoren und Autorinnen aus Schweden und Norwegen berichteten über ihre aktuellen Bücher, lasen aus ihnen vor, ließen sich von Moderatoren befragen. 

Veranstaltungsort ist jedes Mal das Hotel Clarion in Visby, ein schickes Hotel, mit schweren Ledersesseln in der Lobby, getäfelten Wänden und einem großen Veranstaltungssaal. Bereits im vergangenen Jahr war ich dort und genau wie beim letzten Mal waren auch bei diesem Bokens Dag alle Plätze restlos ausverkauft.
Unter den Autoren waren beispielsweise der international gelesene Krimi-Autor Pascal Engmann, der sich mit der aktuellen Problematik rund um Drogen-, Waffen- und Menschenhandel in Schweden auseinandersetzt, die norwegische Schauspielerin Grynet Molvig, die Journalistin Mian Lodalen und Autorin Ruth Kvarnström-Jones, die mit ihrem Buch über die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel in Stockholm bekannt wurde.

Im Foyer vor dem Saal bot die Buchhandlung aus Visby alle besprochenen Bücher zum Verkauf an und ein paar Schritte weiter signierten die Autoren im Anschluss an die Lesung ihre Bücher und plauderten mit den Besucher:innen. Ein spannender Tag, an dessen Ende ich ganz schön platt war. Denn so gut ist mein Schwedisch noch nicht, dass ich jedes Wort wie selbstverständlich verstehe. Ich musste mich konzentrieren und bei acht Autor:innen hintereinander war das ganz schön anstrengend. Gleichzeitig sind das ideale Gelegenheiten, um mehr über das aktuelle kulturelle und literarische Leben in Schweden zu erfahren. Und es war klasse.

Was sonst noch los war

  • Wie geplant sind in der zweiten Monatshälfte die Tischler gekommen, um im Atelierhaus die Wände zu erneuern. Fantastisch! Es war so herrlich zu sehen, wie schnell die Arbeiten vorangehen können, wenn sie von jemanden gemacht werden, der weiß, was er tut. 😉 
  • Es gab den ersten Frost morgens. Es sah herrlich aus, wie Gräser, trockene Blüten und Äste mit weißen Kristallen überfroren waren.
  • Ich war bei einer Führung durch den Ort Tingstäde dabei. Eine Bekannte, die sich bei der Svenska Turistförening engagiert, hatte diese Führung arrangiert. 
  • Im Haus ging es auch weiter. Ich habe geräumt, Lampen und Regale angebracht, den Flur gestrichen und die Garderobe angebracht. 
  • Ich habe Mäuse im Wintergarten entdeckt und eine kleine Kamera aufgestellt, um herauszufinden, an welcher Stelle sie ins Haus gelangen. Die kleinen Biester hatten einen Sack Vogelfutter gefunden und einfach mal breit über dem Boden verteilt und fröhlich aufgefressen. 
  • Nachdem eines morgens ein Igelkadaver vor der Haustür gelegen und ich daraufhin angenommen hatte, unser Igel im Garten sei tot, spazierte eines nachmittags der totgeglaubte kleine Kerl quietschfidel über die Wiese. Das Universum sei Dank! Yeah! 
  • Ende Oktober bin ich erneut nach Deutschland gefahren. Auf dem Weg habe ich meine Tandem-Sprachpartnerin in Stockholm besucht, anschließend als Mikroabenteuer irgendwo kurz vor Jönköping im Auto geschlafen und später die Tage in Deutschland mit Freunden und Familie genossen.

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