Rückblick September


Der September war noch ein richtiger Sommermonat: T-Shirt-Wetter mit knallblauem Himmel! Es war herrlich unterwegs zu sein, viel Zeit draußen zu verbringen, über die Insel zu fahren und richtig schöne Orte und Märkten und Festen zu entdecken. Geichzeitig waren die Äpfel und Birnen reif und verlangten nach Beachtung. Kurz: Es gab allerhand zu tun.


Doch zuerst: Start mit lieblichen Blumen und totalem Desaster


Kurz vor Ende meines Kurzbesuchs in Deutschland verbrachte ich noch einen Tag mit meinen Freunden im Dahliengarten im Volkspark Altona in Hamburg. Obwohl ich selber mal sechs Jahre in Altona gelebt habe, war mir der Dahliengarten bislang unbekannt. Zugegeben, Dahlien sind auch nicht die Knaller auf meiner Lieblingsblumenliste. Aber ich muss sagen, der Garten lohnt einen Besuch. Bis zu als 850 Sorten und 40.000 Pflanzen wachsen hier. Wahnsinn. Und nicht nur die Zahl der Sorten und Pflanzen ist beeindruckend, sondern auch die Tatsache, dass die Knollen der Blumen jedes Jahr aufs neue eingepflanzt und zum Winter wieder aus der Erde herausgenommen werden. Dahlienknollen werden über Winter eingelagert. Was für eine Arbeit!

Die Rückfahrt nach Gotland, einige Tage später, war in zweierlei Hinsicht speziell, einmalig und auf keinen Fall wiederholenswert. Zunächst begann ja alles recht spannend, weil ich zum ersten Mal überhaupt mit einem Anhänger unterwegs war und die Premierenfahrt gleich über gute 1.000 Kilometer gehen sollte – Fähren inklusive. Aber das war alles völlig tutti. Ok, die ersten Kilometer kroch ich über die Autobahnen und schaute alle paar Kilometer in den Rückspiegel, um mich zu vergewissern, dass das graue Ungetüm hinter mir noch da ist. Aber alles ging glatt. Auch die Zwischenübernachtung auf einem Rastplatz irgendwo in Schweden. Das mag ich ja ganz gerne, irgendwo im Auto schlafen. Ist ein kleines bisschen Microabenteuer.

Am nächsten Tag  war dann genügend Zeit, um abends die Fähre von Oskarshamn aus nach Visby zu bekommen. Herrliches Wetter, sommerlich und fast heiß, herrliche Landschaft, leere Straßen. Einfach perfekt. Bis, tja, bis wenige Kilometer vor Oskarshamn. Wie ich so dahingleite, mit schwedischem Roadtrip-Feeling gibt es plötzlich einen dumpfen Knall und im nächsten Moment rumpeln Auto und Hänger ziemlich ungesund mit sehr ungeschmeidigen Geräuschen. Obwohl hinter mir Autos fuhren, konnte ich trotzdem sofort mit Warnblinke rechts ranfahren. Glücklicherweise zweigte eine Zufahrt zu einem Feldweg vor mir von der Landstraße ab. Ich sprang aus dem Wagen, um zu sehen, was passiert war. Auf der Fahrerseite alles unbeschädigt, auf der rechten Seite hingegen ein Desaster: der rechte Reifen des Hängers war geplatzt und hing nur noch als zerfetzter Streifen über der Felge. So eine Scheiße.

Natürlich hatte ich keinen Ersatzreifen dabei. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den ADAC zu kontaktieren, der wiederum einen schwedischen Abschleppdienst informierte. Was hier flockig klingt, zog sich quasi ewig hin, bis schließlich ein Abschleppwagen kam. Alles kein Problem, wäre da nicht eine bereits gebuchte Fähre, die ich erreichen musste. Da war es noch knapp eine Stunde bis zur Abfahrt der Fähre.

Als ich dem sehr netten Abschleppmenschen erklärte, dass ich die Fähre erreichen müsse, rief er sogleich einen Kollegen an, damit dieser mit passendem Reifen zum Fährterminal käme, während wir uns parallel schnellstmöglich zur Fähre aufmachen würden. Gefühlt sind wir die Kilometer nach Oskarshamn gerast: ich im Kangoo vorneweg, der Abschlepp-LKW mit Hänger hinterher. Tatsächlich aber haben wir uns artig an die Geschwindigkeitslimits gehalten, denn in Schweden wird brutal geblitzt. Aber ich klebte am Lenkrad und hätte nur zu gern einen Zahn zugelegt.

Als wir im Hafen ankamen, stellte sich heraus, dass es keinen passenden Reifen zum Wechseln gab – das deutsche Reifenmaß des Anhängers ist zu ungewöhnlich in Schweden. Das hat hier kein Mensch auf Lager. Schließlich durften wir mit Kangoo, LKW und Anhänger durch den Check-in bis zu den Warteschlangen an der Fähre fahren, wo der Abschleppmensch den Hänger ablud und – meiner absoluten Dankbarkeit sicher – verabschiedete. Ich nehme an, wir boten den zahlreichen Wartenden, die um uns herum in ihren Autos saßen, eine willkommene Abwechslung. Als dann irgendwann restlos alle PKW und LKW auf die Fähre gefahren waren, durfte ich – unter den mitleidsvollen Blicken des Fährpersonals und diverser Passagiere oben an Deck – im Kriechtempo auf die Laderampe und die Fähre rollen. „Du musst unbedingt langsam fahren!“ hatte mir der Abschleppmensch noch eingeschärft. Klar, leuchtet ja ein, wenn der Hänger vollbeladen einseitig auf der blanken Felge rollt. Ich war jedenfalls froh, an Bord zu sein, auch wenn mein Auto einen etwas jämmerlichen Anblick bot. Ziemlich schnell kehrte auch mein Humor zurück, und die Müdigkeit. Im Sessel an Bord dämmerte ich ziemlich schnell weg. Das war auch ganz gut so, denn so hatte ich bei der Ankunft drei Stunden später wieder ausreichend Nerven, um erneut im Kriechtempo und als allerletzte von der Fähre herunter und aus dem Hafengelände heraus zu rollen.

Noch von Oskarshamn aus hatte der Abschleppmensch einen Schleppdienst hier auf der Insel benachrichtigt, der dann auch eine gute Stunde nach Ankunft auftauchte, den Hänger auflud und durch die Nacht zu einer Werkstatt fuhr. Ich hinterher, den schaukelnden Anhänger auf dem LKW im Blick. Klar, als der Hänger dann auf dem Hof der Werkstatt abgeladen wurde, war ich wahnsinnig erleichtert. Vollbeladen blieb er dann dort erstmal stehen. Eine weitere Stunde später kam ich dann endlich zu Hause an und fiel todmüde ins Bett. Mannomann, was für eine Rückfahrt. Brauche ich in dieser Art nie wieder.

Wie es dem Hänger danach ergangen ist? Nun, am Montag konnte ich mit der Werkstatt sprechen und den Hänger schließlich mit neuem Reifen am Donnerstag abholen. 


Was das Leben schön gemacht hat

Im September war noch viel los auf der Insel. Zahlreiche Veranstaltungen, Märkte und Feste. Das Beste dabei: spätestens ab Ende August sind die Gotländer nahezu unter sich. Die meisten Urlauber sind bereits weg, die Saison ist dann offiziell beendet. Daher fungieren viele Märkte, wie zum Beispiel das große Erntefest in Lövsta, Skördefestival, als große Treffpunkte. Leute sehen sich nach dem langen Sommer wieder, Freunde, Familien und Nachbarn treffen sich und verbringen eine gute Zeit zusammen. Es gibt Live-Musik, Stände mit regionalem Gemüse und Fleisch von den hiesigen Höfen, es wird gekocht und gemeinsam gegessen, Kinder haben ihren Spaß bei Kaninchenwettrennen und Ponyreiten. Sogar ich habe Leute wiedererkannt und quasi „getroffen“, obwohl ich erst seit ein paar Monaten auf der Insel wohne.

Zeit verstreichen lassen an besonderen Orten

Eine richtig gute Zeit habe ich aber auch an anderen Orten gehabt. Auf liebevoll restaurierten alten Bauernhöfen, auf denen man jetzt wunderbar Kaffee trinken, Kuchen essen, durch die üppig angelegten Gärten streifen und dort entspannen kann. Einfach die Zeit vertreichen lassen, herrlich. Von den Hofen habe ich in separaten Artikeln erzählt. Schaut also gerne direkt dort nach und lest vom Ala Gård mit Café, Garten und Antiquitäten nahe dem gleichnamigen Ort Ala, vom Vike Minnesgård, einem Museumshof, gleich bei mir um die Ecke und vom Liste Gård mit seinem großartigen Garten in Norrlanda.

Auch erzählt habe ich vom Museumshof Norrbys in Väte, bei dem ich war, um die Apfel- und Birnenensorten aus unserem Garten bestimmen zu lassen. 


Pflücken, auflesen, backen – Erntezeit im Garten

Alles zu unserer Apfelernte, dem Bestimmen der Sorten und den vielen Litern Saft, die wir dank der Mosterei in När schließlich gewonnen haben, erfährst du in dem Beitrag, den ich darüber geschrieben habe. Schau mal hier.

Da der Termin bei der Mosterei erst Anfang Oktober ist, die Äpfel und Birnen aber längst schon reif und zuhauf auf dem Boden lagen, habe ich in kürzester Zeit so viele Kuchen und Apfelbrote gebacken, Marmelade und Brotaufstriche eingekocht, wie noch nie. Gefühlt jeder Abend bestand aus Äpfel schälen, Birnen schälen, schnippeln und backen. Das war ja ganz lustig, aber nächstes Jahr buche ich einen Mosterei-Termin unbedingt schon im September. Trotzdem bin ich dankbar für das viele Obst, dass wir in unserem ersten Jahr hier auf der Insel einfach so von unserem Garten geschenkt bekommen haben.


Was sonst noch los war

  • Die Ausstellung I Din Tid entlang der historischen Eisenbahnlinie zwischen Dalhem und Roma
  • Auf Fårö fand das Fårö Festival statt mit Programm auf der ganzen Insel: Scheunen- und Straßenflohmärke, Lesung im Bergmancenter, offenen Künstlerateliers, Fotowettbewerb, Naturwanderung, offenen Cafés und Restaurants. Und das ganze bei sommerlichen Temperaturen. Ein herrlicher Tag.
  • In Fårösund gibt es seit Januar das KUNO-Kulturhaus. Dort war ich an einem Sonntagnachmittag, um mir das Konzert von Magnus Ihreskog, Torbjörn Söderman och Johan Carlgren anzuhören. 
  • Am letzten Septembertag kam dann der erste Frost. Der Garten sieht einfach zu schön aus, wenn Gräser, Blätter und Blüten mit weißen Kristallen bedeckt sind, die in der Morgensonne glitzern.

Hinterlasse einen Kommentar