
Da ist mir tatsächlich im Sommer die Luft ausgegangen. Plötzlich war der Akku leer. Absolut auf Null und ich musste alles runterschalten und eine Pause machen. Wahnsinn, irgendwie nachvollziehbar nach den letzten Monaten, aber dann doch auch unerwartet und erschreckend.
Die Pause tat gut und langsam kehrten im Laufe des Monats die Lebensgeister zurück. Die Insel machte es mir leicht. Die Sonne, die Natur, alles blüht und sprießt noch immer. Es ist heiß, Badewetter, das Leben spielt draußen und fühlt sich leicht an.
Überall blühen wilden Wiesen. Die Schweden lieben das und jetzt verstehe ich auch, warum. Sogar an den Rändern von Wegen und Straßen blüht und sprießt und summt und duftet es seit Mai schon. Kornblumen, Klatschmohn, Ackerwinde, Goldrute und unzählige mehr, deren Namen ich gar nicht kenne, versprühen auf jedem Meter Leichtigkeit und Unbeschwertheit.
Bei uns im Garten hat sich der Baum, den wir im Frühjahr noch als Zierkirsche identifiziert hatten, als Pflaumenbaum entpuppt. Jetzt saß er voll mit leckeren Pflaumen und wir hatten reichlich zum Naschen und für mehrere leckere Pflaumenkuchen. Einfach toll. Geschenktes Obst aus dem eigenen Garten.






Das habe ich den ganzen Monat über genossen und genieße es immer noch: Die Ruhe, das Draußensein in der Natur, das Beobachten von Pflanzen und Tieren. Neuerdings streift ein Igel um das Haus und Hasen, Füchse und Rehe lassen sich auch blicken. Meine Favoriten sind die Schafe, die hier überall grau und schwarz und weiß auf den Weiden stehen und sich gemütlich ihre Wolle von der Sonne wärmen lassen.
Weil das Leben draußen spielt, war ich viel unterwegs, um die Insel zu erkunden. Besonders gefallen mir die vielen alten Höfe, von denen einige im Sommer Cafés betreiben. Das sind dann wunderbare Orte für eine kleine Auszeit. Der Vike Minnesgård ist ein schöner Museumshof oder der Liste Gård, der an der Ostküste kurz vor Norrlanda liegt. Neben einem kleinen Café, einer Galerie und einem Dutzend Schafe ist es vor allem der üppige Garten, der mich hier völlig begeistert. Dahlien, Rosen, Strandflieder, Sonnenblumen, Löwenmäulchen und viele mehr. Die Rabatten sind unterschiedliche eingefasst und mit liebevollen Details versehen. Das macht enorme Lust auf einen eigenen Garten.





Es endet, wenn es am schönsten ist. Echt jetzt?
Kurios war allerdings, dass Mitte August bereits die Saison auf der Insel endete. Schluss, aus, mitten im herrlichsten Sommer! Cafés, Restaurants, Museen und Künstlerateliers auf dem Land machten zu, obwohl das Wetter noch herrlich war, der Himmel knallblau und die Temperaturen wunderbar für einen Tag am Meer. Sogar unsere Lieblingsräucherei in Lergrav beendete den Betrieb. Verrückt! Ich hatte es wirklich nicht ernstgenommen, als mir vorab davon erzählt wurde, aber tatsächlich reisen Mitte August die meisten Sommergotländer und -gotländerinnen ab. Warum? Weil die Schule wieder beginnt. Zehn Wochen sind die Sommerferien lang. Sie beginnen Mitte Juni und enden Mitte August. An dieser Zeitspannen orientiert sich auch die Sommersaison. Und da auf Gotland die meisten Urlauber und Urlauberinnen aus dem Inland kommen, sperren die Läden nach deren Abreise die Türen hinter ihnen zu. Für diejenigen, die anschließend noch auf der Insel unterwegs sind, verkleinert sich das Angebot dann deutlich. Zugleich nimmt die Ungestörtheit an den Stränden und schönsten Plätzen deutlich zu.
Zugegeben, das frühe Saisonende ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber wer die Ruhe mag, für den ist ab Mitte August die beste Reisezeit.
Für Visby, der Inselhauptstadt, gilt das natürlich nicht. Hier sind auch weiterhin Läden und Straßencafés bestens gefüllt, liegen Yachten und Kreuzfahrtschiffe im Hafen und schlendern Besucher und Besucherinnen durch die Gassen der historischen Altstadt.

Was sonst noch los war:
- Ein wenig renoviert habe ich dann aber auch noch. Und es wurde sogar richtig spannend, denn beim Freilegen des Dielenbodens kamen Zeitungen aus dem Jahre 1946 zum Vorschein! Ganze Artikel und Bilder klebten da 78 Jahre lang unter dem hässlichen PVC-Boden. Zum Beispiel berichtete Gotlands Allehanda am 20. November 1946 über das Samstagsattentat auf die Handelsbank im Zentrum von Stockholm. Die kundige Hausfrau erfuhr, wie man auf die richtige Weise Kaffee kocht – nämlich gar nicht, Kaffee wird aufgebrüht, nicht gekocht. Ingrid Bergmann stand auf der Bühne im Stück „Jeanne d’Arc“ und bei den Wahlen in Belgien hatten die Kommunisten harte Verluste hinnehmen müssen. Eine Witzeseite, ein paar Kommentare und Aufreger über Dies und Das. Inselnachrichten aus alten Zeiten.








- In Stenkyrka war Markt mit Ponyreiten, Flohmarkt, Kaninchenslalom, Oldtimerausstellung und Landmaschinen. Sehr lustig.
- Und Ende des Monats bin ich für eine Stippvisite nach Deutschland gefahren.
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