Ausflugstipp: Kalksteinbruch von Bläse

Wer an eine Insel denkt, sieht vermutlich Meer, Strand, Idylle, Natur und herrliches Wetter vor dem inneren Auge. Selbstredend trifft das alles auf Gotland zu! Was zu Gotland aber auch gehört, ist die lange Tradition des Steinbruchs und des Kalkbrennens. Das wiederum klingt weniger idyllisch.

Der Kalksteinabbruch ist auf der Insel allgegenwärtig. Zwar wird nur noch an wenigen Stellen wirklich Kalk abgebaut, aber es gibt viele verlassene Brüche, die teils zerfallen und von der Natur zurückerobert werden, teils alternativ genutzt werden. Manche werden als Open-Air-Theater bespielt, andere als Freiluftmuseum geöffnet, sofern historische Gebäude vorhanden sind und restauriert wurden. Nicht selten sorgen die meterhohen, grau-zerfurchten Steinwände für eine dramatische Kulisse und eine beinahe morbide Atmosphäre.

Im Steinbruch von Bläse ist von Letzterem allerdings nichts zu spüren. Er liegt im Norden der Insel auf der östlichen Seite der Bucht von Kappelshamn, einer herrlichen kleinen Bucht, die zur sogenannten Stenkusta führt und an deren Ende auch die bekannte Blaue Lagune liegt. 

Der Kalksteinbruch von Bläse ist ein beliebter Ausflugsort für die ganze Familie, denn nicht nur ist das Museum mit seinen beeindruckenden Kohleöfen und Kalkschuppen und den Einblicken in die Produktion spannend, sondern auch das weitläufige Gelände mit historischen Ladekränen, einem kleinen Hafen, dem weitläufigen Strand und einem enormen Geröllhügel, von dem aus sich ein herrlicher Blick auf das Meer bietet.

Museum Kalkbruk Bläse

www.blase.se

Im Museum erfahren BesucherInnen alles über die lange Tradition des Kalkbruchs und des Kalkbrennens auf der Insel. Seit dem Mittelalter wurde auf Gotland Kalk gebrannt und beispielsweise für den Bau von Kirchen verwendet. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der gebrannte Kalk exportiert und im Ostseeraum u.a. bis nach Deutschland verschifft. Der Handel mit dem Kalkstein brachte eine neue Bürgerklasse hervor, die Kalkpatrone, die von Visby aus die Geschäfte steuerten, während in den Kalkbrüchen auf dem Land die Arbeiter schufteten. Der Kalksteinabbau war eine harte Arbeit, zumal er bis ins 20. Jahrhundert hinein eine reine Handarbeit war, also ohne maschinelle Unterstützung.

Im Kalksteinbruch in Bläse wird schon seit Jahrzehnten kein Kalk mehr gebrochen und gebrannt. Der Kalkbruch hier wurde 1880 gegründet. In den 1920er und 30er Jahren hatte er seine Blütezeit ehe im Zuge des Zweiten Weltkrieges und des Kohlemangels der Niedergang kam.

1983 wurde das gesamt Areal der Stiftung Bläse Kalkbruk Industriminne geschenkt, die sich seitdem für den Erhalt einsetzt. Die Gebäude mit den gewaltigen Schornsteinen, die großen Schuppen, das Silo, der Hafen und die Eisenbahn mit den Loren zum Transport des gebrochenen Kalks wurden 1985 als Museum geöffnet.

Spannend, und vor allem zusammen mit Kindern ein Spaß, ist die Fahrt mit dem Steinzug. In kleinen, offenen Holzwaggons sitzend, fähren die BesucherInnen die 1,6 Kilometer lange Strecke zum Steinbruch und zurück zum Museum.

Ein anderes kleines Abenteuer bietet der Geröllhügel nicht weit vom Museum. Der Hügel ist beinahe ein Berg und wer ihn erklimmt, wird mit einem fantastischen Blick über das gesamte Areal und die Bucht belohnt. Der Aufstieg ist nicht sehr anspruchsvoll, doch bei dem losen Gestein ist es ratsam, zu schauen wohin man tritt, denn nicht selten gerät der lose Grund etwas ins Rutschen.

Beliebt ist der Kalksteinbruch von Bläse auch deshalb, weil der Küstenstreifen besonders schön ist. Bei gutem Wetter lohnt es sich, Picknick mitzunehmen, es sich auf den Steinen gemütlich zu machen und den Wind und das Meer zu genießen. 

Auch führt ein Rundwanderweg Richtung Norden am Strand entlang, biegt nach etwa 2 Kilometern in einen Wald ab und führt zwischen Wiesen und verstreuten Häusern zurück zum Museum.

Für alle, die es bequemer mögen, bietet das Café im Museum Sitzplätze drinnen und draußen mit Blick auf die historischen Gebäude und den Gästehafen – und natürlich leckeren Kaffee und Kuchen.

Übrigens

Direkt am Gelände liegt ein Stellplatz für Campingmobile. Der Stellplatz ist ganzjährig geöffnet.

Auch gibt es einen Gästehafen, der rund ums Jahr angefahren werden kann.

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