
Was für ein Monat! Mir fallen mehrere Tonnen Steine vom Herzen, dass der April gelaufen ist. Im April ging der Umzug über die Bühne und ich darf spoilern: Es hat alles reibungslos geklappt.
Und diverse Erkenntnisse gab’s on top.
Kisten, Chaos, Klarheit – Theorie und Praxis eines Umzugs
Das einzig bestimmende Thema im April: Packen, packen, packen und hoffen, dass alles in den LKW passt. Erst wenn man jedes Teil im Haushalt einmal in die Hand genommen hat und verpackt, erkennt man, wie viel Kram man doch besitzt. Und staunt.
Beim Anblick der Kartons und Möbel schwankten wir täglich zwischen „Passt!“ und „Das passt niemals in den LKW!“ Das ging jeden Tag so. Morgens standen die Zeichen noch auf Zuversicht, abends auf Panik, im Bestfall Fatalismus.





Ein Umzug bietet aber stets die Gelegenheit, sich von Dingen zu trennen. Das haben wir ausgiebig getan und sehr, sehr viele Dinge verschenkt oder verkauft. Angefangen bei Möbeln bis hin zu Küchengeräten, Wasch- und Spülmaschine. Es gibt immer glückliche Abnehmer.
Auch ist es von Vorteil, wenn man nur wenige massive Möbel besitzt. Wir waren bislang ein ausgeprägter Ikea-Haushalt. Das erwies sich jetzt als praktisch, denn vieles ließ sich platzsparend zerlegen, anderes zerlegte sich selbst und war eh nicht mehr zu retten.


Zudem habe ich während der letzten Wochen im Haus auf Gotland ein besseres Gefühl für die Räume bekommen. Manche Möbel, die sich in einer großzügigen Altbauwohnung gut machen, wirken im Haus auf dem Lande völlig deplatziert oder zu groß. Das ist dann nicht nur eine Frage der Maße, sondern es ändert sich auch das eigene Verhältnis zu Dingen. In einer neuen Umgebung verschieben sich Wichtigkeiten. Dinge, auf die man glaubte nicht verzichten zu können, verlieren plötzlich an Bedeutung und können ohne Wehmut weggegeben werden. Pragmatismus aus reiner Notwendigkeit schmerzt meist, aber in dieser Situation ändert sich tatsächlich die innere Einstellung zu Dingen, so dass die Entscheidung, Dinge wegzugeben, überhaupt nicht mehr schwer fällt.
Weitere typische Begleiterscheinungen eines Umzugs: Temporäres Chaos, Slalomlauf und das wundersame Verschwinden von Werkzeugen.
Das temporäre Chaos tritt ein, wenn der Ort, an dem man bisher wohnte, sich aufzulösen beginnt, und der Ort, an den man ziehen will, noch im Werden ist. Soll heißen: Überall Kartons und Krempel, überall Slalomlauf und die ewige Suche nach dem passenden Werkzeug, das mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit genau an dem Ort lag, an dem wir uns gerade nicht befanden. Sollte in der Wohnung ein letztes Regal abmontiert werden, lag der Akkuschrauber sicher im Haus auf Gotland. Brauchten wir im Haus just die Wasserpumpenzange, lag diese garantiert noch in der Wohnung. Wer schon umgezogen ist, weiß, was ich meine.

By the way: Fast 15 Jahre haben wir in der Wohnung gewohnt. Und jetzt beim Auszug entdeckte ich Stellen, bei denen wir beim Einzug gesagt haben: „Lassen wir erstmal so, können wir später noch neu/schön/anders machen.“ Daraus geworden ist nix. Logo. Herrlich! Kennt auch jeder, oder?
Tag X, oder: Alles Nix ohne ein perfektes Team
Der Umzug selbst war dann eine Aktion von vier Tagen. Und das Schleppen war der geringste Teil daran:
- Freitag: Freunde und Helfer kommen, Wohnung ausräumen, LKW und PKW packen, Abfahrt Richtung Travemünde; Nachtfähre nach Trelleborg
- Samstag: Ankunft Trelleborg und Fahrt nach Oskarshamn, abends Fähre nach Visby, Gotland, Ankunft Mitternacht
- Sonntag: LKW ausladen, flugs kochen, super short Sightseeing zum Meer, nachmittags Fähre zurück nach Oskarshamn; Zwischenübernachtung in Växjö
- Montag: Weiterfahrt über Malmö nach Kopenhagen und mit der Fähre von Rødby nach Puttgarden; zurück in Hannover am Abend














Keine Frage, das war nicht der erste Umzug in meinem Leben, aber ganz sicher der spannendste, lustigste, weiteste und schrägste! Nicht zuletzt Dank eines Teams aus besten Freunden, die es ausgehalten haben, innerhalb von vier Tagen mehr als zwanzig Stunden mit uns im Auto bzw. LKW zu sitzen, sechzehn Stunden auf Fähren zu verbringen, drei Länder zu durchfahren und über zweieinhalbtausend Kilometer zurückzulegen. Die mit uns stockfinstere Kabinen, Matratzen auf Fußböden, Hotelzimmer und Haferkekse geteilt, Frühlingsregen beim Einladen und Schneetreiben beim Ausladen ertragen und sich mit Dosensuppe und Highspeed-Sightseeing in unserem neuen Zuhause begnügt haben – und uns mit ihrem Elan und ihrer guten Laune so, so sehr geholfen haben, dass Etappe für Etappe kiloschwere Steine von unseren Herzen gefallen sind. Es war ein fantastisches Umzugswochenende!
Eine Frage ist aber noch offen
Hat alles in den LKW gepasst? Diese Frage haben wir am Ende mit Fatalismus und einer knallharten Auswahl beantwortet. Nein, es hat nicht alles hineingepasst. Aber das Wichtigste kam mit. Bis Ende Juni haben wir die Wohnung noch und werden noch mindestens zweimal zwischen Gotland und Hannover pendeln. Da wird sich das Problem der letzten Dinge auch noch lösen.
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