Abkleben, rühren, streichen – in den vergangenen drei Wochen haben wir begonnen zu renovieren.

So banal es klingt, das Renovieren im Haus ist ein aufregender Prozess. In keiner Wohnung habe ich das Abziehen von Tapeten, das Anstreichen von Wänden, das Lackieren von Fußleisten als so spannend erlebt. Kein Wunder, jetzt ist es das eigene Haus. Mit jedem Pinselstrich, mit jeder Bahn neuer Tapete, wird es Stück für Stück mehr zum eigenen.


Auch wirken Räume plötzlich größer, heller, es riecht anders und ganz langsam nimmt alles die Form an, die man sich vorgestellt hat. Absolut toll.
Tapeten von den Wänden zu ziehen ist in vielerlei Hinsicht ein spannender Akt. Zum einen kann man sich einer leichten Zerstörungswut hingeben. Im Nullkommanichts verwandelt man einen zunächst einigermaßen ansehnlichen Raum in eine Ruine. Mit voller Absicht.
Herrlich.





Dann wiederum hat es etwas von archäologischem Arbeiten. Unter jeder Schicht, die ich abziehe, kommt eine weitere, noch ältere zum Vorschein. Ein ebenfalls spannender Prozess mit Begeisterung und Entsetzen über Schönheit und Geschmacksverirrung vergangener Zeiten im Wechsel. Tapetengeschichte an den eigenen vier Wänden.
Und nicht zuletzt kann das Abziehen, Abkratzen, Abzupfen, Schaben, Reißen wahlweise eine meditative oder eine nervtötende Arbeit sein. Je nachdem wie bereitwillig sich das Papier von der Wand ablöst.





Aber wie lange es auch dauern mag, am Ende sind sie alle runter und der nächste Schritt der Arbeit kann beginnen.
Einer größeren Zerstörungswut konnte ich mich im oberen Geschoss des Hauses hingeben. Wunderbar!

Mir war bisher nicht bewusst, wie befreiend der beherzte Umgang mit einer Brechstange sein kann. Natürlich habe ich nicht planlos zerschmettert, sondern die Zwischenwand Brett für Brett herausgenommen. Der Raum unter dem Dach soll insgesamt größer werden. Die Vorbesitzer hatten die Schrägen abgetrennt und an einer Seite einen durch eine kleine Tür betretbaren Abseite geschaffen. Allerdings ohne diese zu dämmen oder auch nur zu verkleiden und zu streichen. Also eher ein Gruselraum, denn eine nutzbare Fläche. Daher nehmen wir die Zwischenwand raus. In die Dachschräge kommt anschließend Dämmung. Das Holz der Wand werde ich im Sommer im Garten bei den Hochbeeten weiterverwenden.
Am Ende also eine ziemlich konstruktive Aktion.








Unverhofft kommt der Winter (zurück) mit irre viel Schnee. Fantastisch! Besonders heftig in diesem Jahr, wie alle sagten, die wir trafen. Für uns auch ungewohnt, gab es in Hannover meistens nur Matsche und Regen im Winter. Unsere erste Anschaffung hier: eine Schneeschaufel!






Mitte des Monats war dann erstmal Schluss mit Zerstörung und Neuaufbau. Wir mussten zurück nach Deutschland. Schließlich wartete dort eine ganze Wohnung darauf, eingepackt, aussortiert und in Ordnung gebracht zu werden.
Jeder Umzug bietet die Chance, auszusortieren. Ausgelesene Bücher, geschrumpfte Klamotten, das vorletzte Handy, Dinge, die irgendwann als Geschenk in die Wohnung kamen, nur weiß man längst nicht mehr, von wem. Alles kann weg.

Doch es gibt auch Dinge, bei denen fällt es mir schwer. Likörgläser, seit Jahren unbenutzt im Schrank – aber doch von den Großeltern. Einzelne Tassen und Teller aus Kindertagen, das Briefmarkenalbum der Patentante, die längst verstorben ist. Das kann doch nicht weg. Oder doch?
Ich gehöre zu den Behaltern auf der Welt, nicht zu den Wegschmeißern. Jedes Ding wird zur Gewissensfrage.
Doch ich vermute, bin ich erst am neuen Ort, also auf Gotland, werden viele Dinge, die ich partout nicht wegtun wollte, plötzlich gar nicht mehr so wichtig sein. Nur welche?
Ich entscheide mich für ein beherztes Weggeben und dort, wo ich scheitere, für einen großen Karton. Schließlich gibt es auch auf Gotland Flohmärkte. Die heißen dort, wie in ganz Schweden, Loppis, und sind sehr, sehr verbreitet.
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