
Am 4. Dezember 2023 haben wir die Schlüssel für unser Haus auf Gotland bekommen. Damit geht das Abenteuer los!
Erster Rundgang
Moment mal, das Haus ist ja gar nicht aus Holz und rot und so richtig schwedisch? Stimmt, es ist stattdessen ein kleines weißes Häuschen aus Stein mit blauen Fenstern. Damit entspricht es zwar nicht dem verbreiteten Schwedenklischee vom roten Holzhaus, ist aber in seiner Art doch ganz typisch für Gotland. Beispielsweise sind die Fenster und die große Außentür am Wintergarten im typischen „Gotlandsblå“, dem Gotland-Blau, gestrichen. Ein wunderbar leuchtendes Blau, das ein wenig an Südfrankreich erinnert.


Unser Haus wurde in den 1930er Jahren gebaut. Es ist vermutlich ein altes Arbeiterhaus oder das eines Vorarbeiters, denn im benachbarten Ort Valleviken gab es früher eine Zementfabrik.
Der Zustand des Hauses ist nicht schlecht, aber es braucht eine große Portion Aufmerksamkeit und Liebe, keine Frage. Es wurde über Jahre nicht bewohnt, dennoch vor nicht allzu langer Zeit hergerichtet. So sind zum Beispiel die Elektroinstallationen neu, genauso wie die Heizungsrohre und Thermostate und auch die Kücheneinrichtung. Ebenso wurde das Dach zum Teil neu gedämmt. Auf der anderen Seite sind die Fenster, die Fassade und der Keller in eher traurigem Zustand.
Es ist ein niedliches Häuschen, das ein wenig wachgeküsst werden muss. Doch es braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass es einmal sehr schön werden kann.

Zum Haus gehört ein sehr großer Garten, ein Gästehaus und eine kleine Scheune. Es gibt alte, moosbewachsene Apfelbäume, einen Birnbaum, viele Haselnusssträucher, einen kleinen Bach, der am Rande des Grundstücks entlang fließt, ein paar Kiefern und die obligatorische Fahnenstange.
Viel Platz und Raum also für Landleben, Kreativität und praktizierten Gartenenthusiasmus. Und für ausgedehnte Renovierungsarbeiten vorab.

Ein Stückchen Klischee findet sich dann doch noch: die Scheune. Aus Holz und in typischem Falunrot gestrichen, spricht sie auch in mir die romantischen Vorstellung vom Leben in Schweden an.
Sie wurde offenbar als Werkstatt genutzt, denn es finden sich hier noch eine Werkbank und altes Werkzeug. An zwei Balken mitten im Raum und Steinkanten im Boden lässt sich erkennen, dass sie früher zudem als Stall gedient haben muss.
Auf dem Dachboden liegt noch ein Haufen Heu, daneben steht ein altes Schleifgerät. Im Raum nebenan lagern Brennholz und Geräte für den Garten. Auch ist ein kleines Plumpsklo an die Scheune angebaut.
Das Grundstück erstreckt sich über fast 5.000 Quadratmeter. An den Rändern stehen hohe Kiefern, überall wachsen Haselnusssträucher und direkt neben dem Haus haben wir Apfelbäume und einen Birnbaum entdeckt. Auch sollen hier einige Orchideen wachsen, die so typisch sind für Gotland. Aber wir wissen nicht genau wie sie aussehen und so müssen wir abwarten bis sie blühen. Erst im Sommer werden wir so richtig sehen, was hier wächst und kreucht und fleucht. Vor dem Haus steht jedenfalls auch ein großer Flieder. Auf dessen Blüte freue ich mich schon jetzt!



Es ist spannend, das Haus und Grundstück zu erkunden, Türen zu öffnen, Schalter zu betätigen, unter Laub, Gestrüpp und Schnee skurrile Dinge zu finden.
Über die Geschichte des Hauses wissen wir leider nicht viel. Vor Jahren soll hier eine Frau gewohnt haben, die Violine spielte und an Mittsommer und bei anderen Festen auftrat. Nach ihr wurde das Haus verkauft.
Obwohl ein Großteil der Elektro- und Heizungsinstallationen erneuert wurde, stand das Haus lange leer. Die ältere Frau, die dann in den letzten Jahren hier gelebt hat, wohnte stattdessen im Gästehaus. Als sie an Demenz erkrankte und in eine Pflegeeinrichtung kam, entschieden sich ihre Kinder zum Verkauf des Hauses und des gesamten Grundstücks. So konnten wir es kaufen.

Erstaunlicherweise gibt es keine Unterlagen zu dem Haus, zu Geräten, den Installationen oder der Wärmepumpe. Vermutlich sind sie irgendwann beim Ausräumen des Hauses weggeworfen worden. So ist nur sehr wenig bekannt. Auch gibt es sehr wahrscheinlich keine Unterlagen mehr bei der Gemeindeverwaltung. Das Archiv in Lärbro ist in den 1980er Jahren abgebrannt und mit ihm die Unterlagen vieler Häuser in der gesamten Gemeinde. Sicher gibt es noch Menschen in der Umgebung und Nachbarn, die sich vielleicht an das ein oder andere erinnern. Die zu befragen lohnt sich bestimmt.
Erste Schritte

Matratze und Bettzeug. Damit geht es los. So können wir die ersten Nächte in unserem Haus schlafen. Alles andere kommt viel später.
Lange bleiben konnten wir noch nicht. Ein paar Tage, dann ging es zurück nach Deutschland. Das große Planen steht nun bevor. Die nächsten Monate werden wir pendeln, um im Haus zu renovieren und parallel die Wohnung in Hannover aufzulösen. Auf geht’s!





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